Hier wollen wir Euch von Menschen erzählen, die funktionelle Fitness nutzen, um sich für ihre Hauptsportart fit zu halten. Von Menschen, die fit für ihren Job sein müssen. Von Müttern, die während der Schwangerschaft weiter trainieren und nach der Geburt wieder ins Training einsteigen wollen. Und von Menschen, die mit Erkrankungen zu kämpfen haben und dank Training besser mit den Symptomen zurechtkommen.
Heute teilt Sophie ihre persönlichen Erfahrungen mit CrossFit in der Schwangerschaft & dem Wiedereinstieg nach der Geburt – und wie Bewegung ihren Alltag geprägt hat.
ÜBER SOPHIE
- Alter: 37
- Hintergrund: aus Australien; seit ca. 8 Jahren Mitglied bei CrossFit 40477
- Familie: zwei Kinder (4,5 & 2,5 Jahre); etwa 2 Wochen vor Baby Nr. 3
- Sport: CrossFit; als Kind/Jugendliche viel Teamsport (Netball) und Laufen
DAS INTERVIEW
Wer bist Du, wie alt ist Dein Kind/sind Deine Kinder – und welche Sporterfahrung hattest Du vor der Schwangerschaft (den Schwangerschaften)?
Ich bin 37 und komme aus Australien. Ich bin seit etwa acht Jahren Mitglied in der Box. In dieser Zeit habe ich zwei Kinder bekommen (vier-einhalb und zwei-einhalb Jahre), und in ungefähr zwei Wochen erwarte ich mein drittes. Vor meiner ersten Schwangerschaft habe ich hauptsächlich CrossFit gemacht. Aufgewachsen bin ich mit viel Teamsport – vor allem Netball – und ich bin viel gelaufen.
Wie hast Du Dein Training in der Schwangerschaft angepasst (Scaling, Intensität, Coaching, medizinische Freigabe) – und wie hat es sich angefühlt?
Ich habe vieles skaliert. Eine der größten Herausforderungen in der ersten Hälfte all meiner Schwangerschaften war starke Übelkeit mit häufigem Erbrechen – das hat vor allem morgendliche Classes und die Motivation erschwert. Was ich leisten konnte, änderte sich von Woche zu Woche. Mein Scaling war deshalb nicht linear: mal weniger Gewicht, mal weniger Wiederholungen, mal komplett andere Bewegungen. Die Coaches waren großartig mit Vorschlägen und klaren Hinweisen, was sinnvoll ist und was nicht. Aus der ersten Schwangerschaft habe ich viel mitgenommen – das hat mein Training in der zweiten und jetzt in der dritten deutlich verändert.
Was hat in der Schwangerschaft besonders gut funktioniert – und was war herausfordernd?
Mein größter Tipp: Hör auf Deinen Körper. Das habe ich in der ersten Schwangerschaft und besonders postpartum gelernt – und es hat mir Selbstvertrauen für die zweite und jetzt dritte gegeben. Eine große Herausforderung sind widersprüchliche Informationen: zu sehen, was andere können, Inputs von Coaches oder Ärzt:innen – oder die Ansage, etwas nicht zu tun, obwohl es sich für Dich gut anfühlt. Nimm fachliche Hinweise ernst, check dann bei Dir ein und triff die Entscheidung für diesen Tag. Schwer ist auch, Dinge nicht mehr tun zu können, auf die man hingearbeitet hat – PRs, Skills. Das ist mental tough. In der Schwangerschaft (und noch mehr postpartum) war für mich die Mind-Body-Connection entscheidend: Fokus darauf, was heute Stärke gibt.
Wie sah Dein Wiedereinstieg nach der Geburt aus?
Jedes Mal anders. Nach dem ersten Kind war ich nach etwa drei Monaten wieder im CrossFit. Anfangs okay, dann habe ich gemerkt: nicht stabil/kräftig genug, Workouts nicht nachhaltig – nicht nur „ich muss stärker werden“, sondern „ich bin noch nicht bereit“. Ich habe pausiert, Low-Intensity alleine gemacht und war erst nach etwa einem Jahr wirklich bereit für CrossFit. Ich habe gelernt, mich nicht drängen zu lassen – weder von anderen (6–8 Wochen) noch von „medizinisch frei“ – das heißt nicht automatisch, dass ich bereit für diese Trainingsform bin.
Nach dem zweiten Kind war ich strukturierter: Rückbildungskurs und ein Mutter-Baby-Kurs (beides low intensity) für den sanften Einstieg und besseres Zeitmanagement mit Baby. Danach habe ich den CrossFit-Mums-Kurs in unserer Box besucht, geleitet von Coaches mit Postpartum-Know-how; auch Beckenboden-Therapeutinnen waren eingebunden. Es half enorm, dass die Coaches verstanden, woher wir kamen und wohin wir wollten.
Bis ich mich wieder sicher, stark und stabil für reguläre Classes fühlte, dauerte es etwa ein Jahr. Mental ist Postpartum tricky: In der Schwangerschaft sieht jede:r, dass Du limitiert bist; nach der Geburt siehst Du „normal“ aus – innen (Beckenboden, Core) ist aber vieles anders. Ich musste meinem Körper vertrauen, geduldig sein und Schritt für Schritt aufbauen.
Was würdest Du Frauen sagen, die unsicher sind, ob sie in der Schwangerschaft weiter trainieren sollen?
Training hat mich körperlich fit gehalten und war riesig für meine mentale Gesundheit – besonders jetzt mit kleinen Kindern daheim. Ein- bis zweimal pro Woche nur auf mich, meinen Körper und die Mind-Body-Connection zu fokussieren, hat viel bewirkt. Erst nach meinem ersten Kind habe ich richtig verstanden, wie sehr CrossFit mentale Kapazität, Durchhaltevermögen und Körperwahrnehmung schult. Die Geburt ist der größte „WOD“ überhaupt – nicht vergleichbar mit einem Samstag-Workout, aber die Skills übertragen sich: auf den Körper hören, spüren, welche Muskeln arbeiten, wie ich mich positioniere, wie ich atme. Nach der ersten Geburt wurde mir klar, wie gut mich CrossFit darauf vorbereitet hatte – und dafür bin ich dankbar.
Hinweis: Das ist Sophies persönliche Erfahrung und keine medizinische Beratung. Bitte besprich mit Ärztin/Arzt oder Hebamme, was für Dich passend ist.
ABSPANN
Mehr inspirierende Geschichten findest Du in unseren Member Stories. Wenn Du Fragen zum Einstieg oder zu individuellen Anpassungen hast, sprich uns im Coaching an – wir unterstützen Dich. Für Prä- und Postpartales Training kannst Du Dich an Vanessa wenden.