Hier wollen wir Euch von Menschen erzählen, die funktionelle Fitness nutzen, um sich für ihre Hauptsportart fit zu halten. Von Menschen, die fit für ihren Job sein müssen. Von Müttern, die während der Schwangerschaft weiter trainieren und nach der Geburt wieder ins Training einsteigen wollen. Und von Menschen, die mit Erkrankungen zu kämpfen haben und dank Sport besser mit den Symptomen zurechtkommen.
Heute berichtet Michelle über ihre persönlichen Erfahrungen mit Training in der Schwangerschaft – und welche Rolle Bewegung für ihr Wohlbefinden gespielt hat.
ÜBER MICHELLE
- Alter: 38
- Familie: Ein Sohn (fast 21 Monate)
- Sporthintergrund: Mehrere Jahre sehr regelmäßig Crossfit (2–3×/Woche) & Gymnastics; intensives Rennradfahren vor und während der Schwangerschaft
- Wohnort: Düsseldorf
DAS INTERVIEW
Wer bist Du, wie alt ist Dein Kind/sind Deine Kinder – und welche Sporterfahrung hattest Du vor der Schwangerschaft (den Schwangerschaften)?
Ich bin Michelle, 38 Jahre alt, wohne in Düsseldorf und habe einen Sohn, der fast 21 Monate alt ist. Zum Zeitpunkt meiner Schwangerschaft war ich also 36. Vorher habe ich mehrere Jahre sehr regelmäßig (2–3 Mal pro Woche) Crossfit und Gymnastics gemacht. Außerdem bin ich etwa ein Jahr vor und während der Schwangerschaft ziemlich intensiv Rennrad gefahren – das war so ein kleiner Suchtfaktor bei mir.
Wie hast Du Dein Training in der Schwangerschaft angepasst (Scaling, Intensität, Coaching, medizinische Freigabe) – und wie hast Du Dich damit gefühlt?
Ich hatte eine sehr angenehme, unkomplizierte und fast schon entspannte Schwangerschaft. Im ersten Trimester habe ich gar nichts angepasst – außer dass meine Müdigkeit mich eingebremst hat. Das war im zweiten Trimester dann schlagartig vorbei.
Meine Gynäkologin war sehr entspannt zu meinen sportlichen Tätigkeiten: „Der Fötus ist gut geschützt, machen Sie einfach weiter wie bisher – Ihr Körper zeigt Ihnen die Grenzen schon.“ Genau so habe ich es auch erlebt.
Mit dem Rennradfahren habe ich aufgehört, als mein Körper mir signalisiert hat: „Nee, das fühlt sich nicht mehr gut an“ – das war etwa im 6. Monat. Ich denke es waren vor allem die engen Klamotten auf dem Bike, die dann wirklich unangenehm werden. Ab da war ich nur noch im Crossfit, Gymnastics und Yoga unterwegs. Klar, ich habe kleine Dinge angepasst (z. B. keine Burpees mehr auf den Bauch, keine Langhantel mehr knapp vorm Bauch hochziehen, kein Bauchmuskeltraining mehr).
Von den Trainern habe ich mich super unterstützt gefühlt – ihre Kompetenz hat mir Sicherheit gegeben. Für mich gilt: Nicht jeder Tag fühlt sich gleich an. Das anzunehmen ist in der Schwangerschaft nochmal wichtiger. Ego ausblenden, auf den Körper hören und den Kopf stark halten – dann entsteht dieser richtig gute Kreislauf: Bewegung macht mich mental stark und wenn ich mental stark bin, geht’s meinem Körper noch besser.
Was hat während der Schwangerschaft besonders gut funktioniert (z. B. bestimmte Workouts, Atemtechnik, Mobility, Coach-Tipps)?
Eigentlich alles, womit ich mich wohlgefühlt habe. Klar, der Körper wird schwerer und man merkt irgendwann: Da arbeitet man für zwei. Wir haben rund 1,5 Liter mehr Blut im Körper und versorgen zwei Herzen mit Sauerstoff – allein das ist schon eine sportliche Höchstleistung. Der Puls war höher, also bin ich insgesamt etwas ruhiger rangegangen.
Was war herausfordernd (z. B. Übelkeit, Beckenboden, Rücken, Müdigkeit, Motivation) – und wie bist Du damit umgegangen?
Das Einzige war die Müdigkeit im ersten Trimester. Trotzdem habe ich mich oft ins Training „geschleppt“, weil ich wusste: Danach geht’s mir besser, ich bin fitter, wacher und einfach mehr bei mir.
Zusätzlich hat mich der Gedanke motiviert: Jetzt bin ich noch alleine und kann frei über meine Zeit verfügen. Das ändert sich mit Geburt ja ziemlich radikal – und genau deswegen wollte ich diese Selbstbestimmtheit bewusst genießen.
Was würdest Du anderen Frauen raten, die verunsichert sind, ob sie während der Schwangerschaft weiter Sport treiben sollen, oder nicht?
Das Wichtigste zuerst: Jede Schwangerschaft ist komplett anders – keine ist wie die andere. Ich spreche nur aus meinem eigenen kleinen Kosmos.
Ich bin ein Bauchmensch mit viel Urvertrauen und glaube fest daran, dass der Körper uns zeigt, was geht und was nicht. Solange wir gut auf uns hören, mental klar bleiben und freundlich mit uns selbst umgehen, sind wir auch während der Schwangerschaft zu erstaunlicher Leistung fähig.
Ich bin gerne intensiv Rennrad gefahren auch in der Schwangerschaft bei größeren Events und das war objektiv sicher risikoreicher als eine Gymnastik-Class, aber ich habe es mir zugetraut. Weil Körper und Kopf im Einklang waren, hat es funktioniert.
Mein Tipp an andere Schwangere: Höre auf Deinen Körper, sei liebevoll mit Dir und bleib in Bewegung, wenn es sich gut anfühlt. Dein Körper wird es Dir danken. Was für mich richtig ist, muss es für andere noch lange nicht sein. Bleib ganz bei Dir.
Hinweis: Das ist Michelles persönliche Erfahrung und ersetzt keine medizinische Beratung. Bitte besprich mit Deiner Ärztin/Deinem Arzt oder Hebamme, was für Dich sinnvoll ist.
ABSPANN
Mehr inspirierende Geschichten findest Du in unseren Member Stories. Wenn Du Fragen zum Einstieg oder zu individuellen Anpassungen hast, sprich uns im Coaching an – wir unterstützen Dich. Für Prä- und Postpartales Training kannst Du Dich direkt an Vanessa wenden.